Schiff nach Europa / by Christine Lange

 
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»Dem Undarstellbarem (…) wird ein Mass (genau: ein Schiff voll) entnommen und so Darstellbarkeit erreicht. Wenn auch nur eine Sekunde lang, eine Seereise lang. Das Schreiben als ein exakter, nicht romantischer Vorgang, Epik als lyrische Möglichkeit: Trunken von Dingen, nicht von Gefühlen«, heisst es im Vorwort von »Schiff nach Europa«, geschrieben von Friedrich Dürrenmatt.

 

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Markus Kutters Roman handelt von einer Schiffsreise von Amerika nach Europa auf der, noch während des Verfassens gesunkenen Andrea Doria, einem italienischem Luxusliner. Der als ein synthetischer Roman bezeichnete Inhalt, gliedert sich in verschiedene Textgattungen wie z.B. Erzählungen, Gespräche oder Monologe.

»Ich darf mich also glücklich schätzen, dass ich einen Verleger und dann vor allem einen Gestalter fand, denen die gedruckte Letter nicht der Allerweltskarren ist, auf dem jede Ware gleichermassen geschleppt werden kann.«, schreibt Markus Kutter in den Nachbemerkungen und benennt damit Arthur Niggli als Verleger sowie Karl Gerstner als Gestalter. Dieses für 1957 aussergewöhnlich gesetzte Buch wird heute als Hommage an die Akzidenz Grotesk bezeichnet, die als Auszeichnungsschrift den eigentlichen Hauptdarsteller dieses Buches bildet.

 

 

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Es ging Kutter um die typografische Verdeutlichung seiner Worte – um damit nicht nur die verschiedenen Textgattungen zu visualisieren, sondern vielmehr dem geschriebenen Inhalt gerecht zu werden. Seine Zielsetzung wurde definitiv erfüllt – jedes Kapitel ist anders »organisiert« und trägt den Inhalt entsprechend der Erzählform.

 

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Markus Kutters Erstlingswerk hatte keinen bahnbrechenden Erfolg auf schriftstellerischer Ebene, dennoch wurde es, vor allem durch die sehr gelungene optische Organisation des Textes von Karl Gerstner, 1957 als eines der schönsten Schweizer Bücher ausgezeichnet und gilt bis heute als Meilenstein der Schweizer Buchgestaltung.

Es ist ein großes Glück, heute diese originalgetreu nachgedruckte Neuauflage in der Hand halten zu können, denn das Original ist mittlerweile ein Sammlerstück und weitestgehend vergriffen. Auf der Innenseite des Schutzumschlages verbirgt sich eine weitere, schöne Überraschung, denn hier ist der originale Nachdruck des Umschlags von 1957 zu finden.

Mit den letzten Worten hier und auch mit Kutter:
»Die Typografie will nichts anderes als der Text«.

 

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Markus Kutter
Schiff nach Europa

Reprint der Originalausgabe von 1957

Deutsch, 218 Seiten, 16 × 24 cm
Leinenband mit beidseitig bedrucktem Schutzumschlag
Triest Verlag, Zürich, Reprint 2015

Euro (D) 39.– / Euro (A) 40.–
ISBN 978-3-03863-000-5